Im Seekajak zur Kurischen Nehrung: Erfahrungen von A-Z

von Sabine Weiler

Regelmäßig schreibt Sabine nach jeder Seekajakreise ein A bis Z zu der Reise. Dieses Mal von A wie Angeln bis Z wie Zelt. Wir wünschen gute Unterhaltung mit ihrem Reisebericht aus Litauen!

Unsere Reiseempfehlung:

Litauen - Im Seekajak zur Kurischen Nehrung14-tägige geführte Kajaktour – Memel, Kurisches Haff, mit Reisekoch.
Reisezeit: Aug. 2020
Preis: ab 1698 EUR

Reisebericht Litauen A-Z: Im Seekajak zur Kurischen Nehrung

 

Angeln

Entlang der →Memel und an der →Kurischen Nehrung beliebte Aktivität. Teils waren entlang der Memel regelrechte Angelruten-Batterien zu bestaunen. Auch Katrin hatte ihre Angel dabei, was →Sabine von der ersten Sekunde an sehr für sie einnahm. Hin und wieder sah man beide an Ufern oder auf der Mole stehen, wahlweise mit einem →Wobbler auf Fischfang oder erwartungsvoll auf einen Schwimmer starrend. Den Tierfreunden sei gesagt: es kam trotz intensiver Angelbemühungen der beiden kein Fisch zu Schaden, da half selbst der litauische →Wobbler nicht. Das →Essen während der Tour war aber trotzdem sehr reichhaltig und lecker.
Und Fisch gab es auch, wenn auch geräucherten.

An- und Abreise

Startpunkt unserer Tour war Kiel, wo wir am etwas abseits gelegenen Ostuferhafen die Fähre nach →Klaipėda bestiegen. Wie sich zeigte, taten dies auch viele litauische LKW-Fahrer, die mit ihrer Fracht nach Osten reisten. Die Kantine bot Hausmannskost, das Restaurant unter anderem leckere →Burger und auf dem Helikopterdeck ließ es sich auf der fast 24-stündigen Überfahrt wunderbar lesen, sonnen und einfach gar nichts tun. Die Kabinen waren zwar eng, aber komfortabel. Eine große Show und Einkaufspassage wie auf der Kiel-Oslo-Fähre gab es zwar nicht, dafür aber eine Bücherecke und darüber hinaus an Bord und auf See viel zu bestaunen – darunter Mitreisende, Bohrinseln und Offshore-Windparks.

Bojen

Markierten auf der →Memel nicht nur den Schifffahrtsweg, sondern waren auch jeweils mit dem aktuellen Stromkilometer beschriftet. Dienten darüber hinaus gerne Möwen als Ruheort.

Burger

Katrin, Ilka und →Sabine verspeisten im Restaurant der Fähre nach →Klaipėda äußerst leckere Burger. Und beschlossen, dass auch auf der Rückfahrt nach Kiel wieder zu tun. Ein Gedanke, der auch durch die seltenen etwas trüben Momente der Tour trug, verstärkt durch die dortige Fastfood-Abstinenz. Fast hätte unerwartet hoher Wellengang auf der Ostsee während der Rückfahrt nach Kiel die Aktion noch vereitelt (zumindest für →Sabine), glücklicherweise beruhigte sich das Wasser jedoch wieder und dem Abschiedsmenu stand nichts mehr im Wege.

Bus

Eine Paddeltour mit Gepäcktransport, das ist echter Luxus, weil auf den Booten nur das „Tagesgepäck“ transportiert wird und Zelte, Isomatten, ein Teil der sonstigen Klamotten und die Küchenausrüstung samt Vorräten im Bus reisen. Andererseits führt es bereits beim Packen zu gewissen Entgleisungen (→Föhn), die bei einer Tour ohne Gepäcktransport kaum vorstellbar sind. →Sven kutschierte den Bus mit unseren Habseligkeiten samt Bootshänger jedenfalls zielsicher von Zeltplatz zu Zeltplatz (danke!). Als besondere Herausforderung erwiesen sich dabei die Fahrten, bei denen alle Menschen und alles Gepäck im Bus reisten, was teils erhebliche Anpassungsleistungen der Passagiere erforderte.

Captain Morgan

Zwar war →Simas unser Guide, eine kleine Flasche Rum der Marke „Captain Morgan“ aber unser „spiritual leader“, der den abendlichen Tee veredelte. Die Frage „Wo ist der Captain?“ war daher schnell Teil des Abendrituals („Der Tag geht, Captain Morgan kommt.“)

Dusche

Während der ersten Woche unserer Tour waren wir vorwiegend „in freier Wildbahn“ unterwegs. Die Duschen wurden aber nicht sonderlich vermisst. Denn wir waren immer in Wassernähe und konnten zwischendurch einfach ein Bad in der →Memel nehmen. Und spätestens bei der →Kenterübung kamen wir ausgiebig mit Wasser in Kontakt.

Elche

Zwar gibt es sie angeblich auf der Kurischen Nehrung, zu Gesicht bekommen haben wir aber keinen. Lediglich ein scheues Reh kreuzte bei einem abendlichen →Spaziergang unseren Weg.

Essen

Dank unseres Kochs und Fahrers Sven brauchten wir uns um Einkaufen und Kochen nicht zu kümmern. Zudem gab es reichlich Salat und Gemüse, weil er mit dem Bus nahezu täglich zum Einkaufen fuhr. Simas bereicherte unseren Speiseplan zudem durch seine →Rote-Bete-Suppe um eine litauische Spezialität. →Motivation und zum Picknicken mitgeführte Vorräte führten zudem dazu, dass wir auch tagsüber keinen →Hunger litten. Bei Abstechern in die Zivilisation wie in Rusnė war zudem immer ein Stop am örtlichen Supermarkt drin, um sich mit Eis oder einem Kaltgetränk zu versorgen.

EU-Projekte

Während der Tour entdeckten wir zahlreiche Schilder, die auf EU-Projekte verwiesen. Zu den skurrilsten gehörte ein Yachthafen im →Memel-Delta, der offenkundig seit Jahren nicht genutzt wird. Wie →Simas erläuterte, eine Folge baulicher Mängel und ungünstiger Vorgaben, die bisher offenbar alle potenziellen Betreiber abgeschreckt haben. Was uns das seltene Erlebnis bescherte, mit den Kajaks durch einen leeren Yachthafen zu paddeln.

Föhn

Outdoor-Urlaube leben ja üblicherweise von der Reduktion auf das Wesentliche. Der Zusatz „mit Gepäcktransport“ sorgt aber durchaus für Aufweichungen dieses Prinzips, weshalb sich in →Sabines umfangreichem Reisegepäck ein Föhn befand. Da es in den Gästehäusern und auf dem Campingplatz Strom gab, kam er tatsächlich auch mehrfach (und nicht nur bei seiner Besitzerin) zum Einsatz.

Frauentruppe

Da von den meisten Reiseveranstaltern aus Datenschutzgründen vor dem Start einer Tour keine Teilnehmerlisten mehr versandt werden, lernen sich die Mitreisenden meist erst beim Tourstart kennen. In unserem Fall entdeckten wir beim Treffen am Kieler Fährterminal zur Überfahrt nach →Klaipèda, dass wir eine Sechser-Frauentruppe waren. Gänzlich unbemannt waren wir aber nicht, hatten wir mit Guide →Simas und Koch/Fahrer →Sven doch männliches Personal dabei. Im Verlauf der Reise erwies sich diese Konstellation als sehr funktional und durchaus gesellschaftsfähig.

Frühstück(sbuffet)

Bei unserer Paddeltour bestand das Frühstück meist aus Brot in unterschiedlichen Alterungsstadien mit verschie-densten Belagalternativen und Müsli. Abgerundet wurde es durch Kaffee mit aufgeschäumter Milch. In einem Fall auch mit aufgebrühten →Ohrenkneifern, diese Kaffeespezialität vermochte die unfreiwilligen Konsumentinnen jedoch nicht so recht zu überzeugen.

Geocaching

Laut Wikipedia ist „Geocaching“ (abgeleitet von griechisch γῆ, gē „Erde“ und englisch cache „geheimes Lager“, im deutschsprachigen Raum auch GPS-Schnitzeljagd genannt) eine Art Schatzsuche, die sich Ende des 20. Jahrhunderts auszubreiten begann. Die Verstecke/“Caches“ werden anhand geographischer Koordinaten im Internet veröffentlicht und können anschließend mithilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden. Wer den Cache findet, kann sich in ein Logbuch eintragen, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren.
Anschließend wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er zuvor gefunden wurde. Schnell entpuppte sich →Sven als begeisterter Geocacher und tastete intensiv Hinweisschilder, Aussichtstürme und sonstige mutmaßliche Verstecke ab. →Simas kletterte sogar fünf Meter hoch auf einen Baum, um eine dort installierte Kapsel zu bergen. Katrin und →Sabine wiederum fanden eher unabsichtlich einen Cache, indem sie ein litauisches Mutter-Sohn-Gespann beim Entdecken der Kapsel beobachteten und diese anschließend mühelos wiederentdeckten. Katrin agierte darüber hinaus auch beim →Angeln mit einem Kesch(er), fand damit jedoch nichts.

Grenze

Kurz nach unserem Startort →Jurbarkas wird die Memel ab Smalininkai zum Grenzfluss zwischen →Litauen und dem Kaliningrader Gebiet, der sog. „Oblast Kaliningrad“. Diese umfasst etwa das nördliche Drittel des ehemaligen Ostpreußens und ist mit 15.125 km2 Fläche etwas kleiner als Schleswig-Holstein. Wer dort paddeln will, braucht eine gesonderte Genehmigung. Zudem musste →Simas täglich Start und Ende unserer Touren bei der litauischen Grenz-polizei anmelden und die Kajaks mussten mit kleinen litauischen Fahnen gekennzeichnet werden. Die Formalia führten dazu, dass auf der Memel kaum Verkehr herrschte. Nur die Ufer wurden teils von Anglern, →Kühen und Pferden besiedelt. Das Paddeln auf dem Fluss erwies sich als erstaunlich unkompliziert. Es gab weder Grenzzäune noch Patrouillenboote. Wir durften zudem den gesamten Fluss befahren, einzig das Anlegen am russischen Ufer war nicht erlaubt. Daran, dass wir an einer EU-Außengrenze entlangfuhren, erinnerten uns nur die meist auf litauischer Seite aufgestellten unbemannten Wachtürme mit ihren unaufhörlich umherschwenkenden Kameras.

Hunger

Dank →Sven und →Simas und ihren Koch- und Verpflegungskünsten während der Tour ein nahezu unbekanntes Gefühl.

Irmgard

Einheimische litauische Seniorin, die uns morgens am Zeltplatz besuchte, um mal zu schauen, welche Leute zu solchen bunten Plastikbooten gehören. Sprach deutsch mit ostpreußischem Einschlag und erzählte uns viel über ihre Lebens-geschichte und die ihres Dorfes. Und probierte begeistert ein Paddel aus, lehnte unser Angebot auf eine kleine Runde im Boot aber mit verschmitztem Kichern ab.

Isomatte

Unverzichtbares Camping-Utensil, das dank Gepäcktransport glücklicherweise im →Bus (und nicht – wie bei anderen Touren üblich – im Boot) transportiert wurde. Wie sich zeigte, sind ältere Thermarest-Modelle nur noch bedingt selbstaufblasend und bedurften manueller Nachhilfe mit dicken Backen, um sich ganz zu entfalten.

Jurbarkas

Kleinstadt an der Memel, von der aus wir unsere Paddeltour starteten. Von hier aus sind es noch 132 km bis zur Memel-Mündung am →Kurischen Haff. Der Countdown dorthin wurde von den →Bojen auf dem Fluss beschrieben, die nicht nur den Schifffahrtsweg markierten, sondern auch mit der jeweiligen Stromkilomter-Angabe beschriftet waren.

Kaffee

Wurde allmorgendlich von →Sven frisch zubereitet und mit aufgeschäumter Milch gekrönt. An einem Morgen auch mit →Ohrenkneifern, die offenbar nachts in einer der Espressokannen Zuflucht gesucht hatten. Was sich als keine gute Entscheidung erwies...

Kajak-Segeln

„I am sailing, we are sailing...“ – bei Rückenwind erwiesen sich von Katrin und Ilka mitgeführte Regenschirme als praktische Kajak-Segel, die die Boote deutlich beschleunigten. Auch optisch machte diese Konstruktion was her, sahen die Kajak-Seglerinnen doch irgendwie aus wie Mary Poppins kurz vor dem Abflug. Vermutlich reicht es zwar nicht zur neuen Trendsportart, eine wunderbare Abwechslung vom Paddeln war diese Variante der Fortbewegung jedoch allemal.

Kajak-Wandern

Wer sein Kajak liebt, der zieht... teils war das Wasser in der →Memel und auf dem Kurischen Haff so flach, dass die Boote unvermittelt aufsetzten. Manchmal half heftiges Hin- und Herruckeln, das Boot wieder freizubekommen. Wenn nicht, half nur Aussteigen und das Boot wieder in tieferes Gewässer ziehen. Am Leuchtturm vor →Pervalka führte das niedrige Wasser sogar zu einer Art biblischen Vision, sah man dort doch Menschen quasi auf dem Wasser vom Leuchtturm an Land laufen.

Kenterübung

Sie gehört eigentlich zu jeder Kajak-Tour, wird aber erfahrungsgemäß gerne mal geschwänzt.
Nicht so bei Simas, der uns in einem ruhigen →Memel-Nebenarm kontrolliert aus den Booten kippen ließ, um anschließend mittels T-Rettung wieder ins Boot zu gelangen. Auch die kann Wikipedia erklären: „Als T-Rettung oder T-Rescue wird beim Kanufahren eine Technik bezeichnet, mit der ein gekentertes Boot durch ein Helferboot wieder aufgerichtet wird. Namengebend ist dabei der Großbuchstabe T, der aus der Vogelperspektive betrachtet durch die beiden Boote gebildet wird. Die T-Rettung wird in mehreren verschiedenen Varianten sowohl bei Kajaks wie auch bei Kanadiern angewendet.“ Nicht dort geschrieben steht, dass das wieder ins Boot Klettern je nach Figur und Kondition ein ziemlicher Kraftakt sein kann. Davon zeugten auch einige blaue Flecken am nächsten Tag. Es gelang aber (früher oder später) allen, wieder ins Boot zu kommen. Wo einen das nächste Ungemach erwartete, nämlich der Einsatz der Lenz-Pumpe, um das dank des Kenterns reichlich vorhandene Wasser aus den Booten zu pumpen. Dank warmer Temperaturen gestaltete sich die ganze Aktion jedoch recht angenehmen und wurde gerne genutzt, um anschließend eine Runde zu →Schwimmen.

Klaipėda

Zielhafen der Fähre, mit der man von Kiel aus →Litauen erreicht und der mit Abstand wichtigste Seehafen Litauens. Laut Wikipedia war Klaipėda bis 1920 die nördlichste Stadt Deutschlands. Sie liegt auf dem Festland am Kurischen Haff gegenüber dem nördlichen Ende der →Kurischen Nehrung. In der Altstadt von Klaipėda sind zahlreiche restaurierte Fachwerkhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert erhalten. Das Wahrzeichen der Stadt ist der Simon-Dach-Brunnen mit einer Figur des aus einem Volkslied bekannten „Ännchen von Tharau“ auf dem Theaterplatz in der Altstadt. Sie ist allerdings eine Nachbildung, das Original ist direkt nach dem Zweiten Weltkrieg abhandengekom-men. Seit dem Jahr 1915 ist Klaipėda Partnerstadt von Mannheim.

Kormorane

Auch hier weiß Wikipedia Bescheid: Kormorane sind knapp gänsegroß, sie haben eine Körperlänge von 77 bis 94 cm und eine Flügelspannweite von 121 bis 149 cm. Der relativ große Schnabel ist wie bei allen Arten der Gattung am Ende hakenförmig. Ihr Gefieder ist überwiegend schwarz, sie ernähren sich vorwiegend von Fisch. Während der Paddeltour waren sie unsere ständigen Begleiter. Besonders zahlreich waren sie im →Memel-Delta und am Kurischen Haff anzutreffen. Vor der →Vogelwarte in Ventės ragas war gar ein ganzer künstlicher Felsen mit Hunderten von Kormoranen bedeckt. Allerdings nur solange, bis wir uns mit den Kajaks näherten...

Kühe

Fast wie am Ganges lagerten auch am (für uns verbotenen russischen) Ufer der →Memel einige Kühe. Und →Sabine hatte ihren litauischen Kuh-Moment, als sie zu früh aus dem Boot ausgestiegen war und feststellen musste, dass sie vom eigentlichen Anlandeplatz ein Elektrozaun trennte – und sie sich direkt auf einer Kuhweide befand. Von denen sich auch bereits eine in Bewegung setzte, um den Neuankömmling etwas genauer zu betrachten. Ein flehentliches „→Simas!“ sorgte glücklicherweise dafür, dass dieser sie gnädig wieder ins Doppelkajak einsteigen ließ.

Kurische Nehrung (lit.: Kuršių nerija)

Und wieder mal Wikipedia: Die Kurische Nehrung ist eine 98 km lange Halbinsel an der Nordküste des Samlands und wurde im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Seit 1945 gehören die nördlichen 52 km zu Litauen und die südlichen 46 km zur russischen Oblast Kaliningrad. Die Parnidis-Düne bei →Nida ist eine der größten Dünen Europas. Früher auch „ostpreußische Sahara“ genannt, diente sie als Filmkulisse.
Für uns war die Kurische Nehrung vor allem die Rückkehr aus der relativen Abgeschiedenheit unseres →Memel-Paddelns in eine doch recht touristische Zivilisation. Zumindest an Land, auf dem Wasser zwischen Juodkranté und Nida war hingegen erfreulich wenig los. Wenn man mal von den vielen Möwen absieht, die auf im Wasser stehenden Pfählen saßen. Mit den Kajaks erreichten wir auch Dünen, die von Land aus nicht zugänglich waren und genossen die Abgeschiedenheit. Nach einer guten Woche mit Zelt, Schlafsack und Isomatte wussten wir aber durchaus auch die Annehmlichkeiten des Gästehauses in →Pervalka zu schätzen. Nicht zuletzt die →Steckdosen.

Leuchttürme

Erfüllten sie früher einen wichtigen Zweck für die Schifffahrt, sind die meisten von ihnen heute nicht mehr im Einsatz, sondern dienen Touristen für einen erhöhten Rundumblick. In einem von ihnen war das Leuchtfeuer durch eine Glühbirne ersetzt worden, eine vermutlich energiesparende, wenn auch eher fotogene als nützliche Installation.

Litauen

Laut Wikipedia (und dann stimmt das ja wohl...) südlichster der drei baltischen Staaten. Es grenzt im Westen an die Ostsee und hat gemeinsame Grenzen mit Lettland, Weißrussland, Polen und der russischen Oblast Kaliningrad. Im Zuge der EU-Erweiterung 2004 wurde Litauen Mitgliedstaat der Europäischen Union und Mitglied der NATO. Seit dem 1. Januar 2015 ist Litauen das 19. Mitglied der Eurozone. Das Land hat etwa 2,8 Millionen Einwohner (Stand: Januar 2017). Hauptstadt und größte Stadt Litauens ist Vilnius, weitere Großstädte sind Kaunas, Klaipėda und Šiauliai. Die größten Flüsse sind →Memel und Neris, die beide in Weißrussland entspringen.

Memel (lit.: Nemunas)

937 km langer Fluss, der von Weißrussland über →Litauen in einem Mündungsdelta in das Kurische Haff und die Ostsee fließt. Kurz nach Jurbarkas wird die Memel ab Smalininkai zum Grenzfluss zwischen Litauen und der Oblast Kaliningrad. Ihr Name ist vielen Deutschen vermutlich aus der ersten Strophe des Deutschlandliedes bekannt („Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt...“). Das Paddeln auf der Memel gestaltete sich sehr angenehm. Zum einen waren – insbesondere dort, wo sie Grenzfluss ist – kaum Schiffe unterwegs. Zum anderen sorgte ihre Strömung dafür, dass wir rasch vorankamen. Und zu sehen gab es an den Ufern auch viel – unter anderem →Kühe, Angler und jede Menge Vögel.

Motivation

Wird beim Veranstalter „Club Aktiv“ traditionell in einer kleinen Plastiktonne aufbewahrt und auf dem Boot des Guides mitgeführt. Dient der Bekämpfung von Hungerästen und Stimmungstiefs, zwischen denen erfahrungsgemäß ein kausaler Zusammenhang besteht. Kann sowohl auf dem Land als auch auf dem Wasser zum Einsatz kommen, in letzterem Fall durch das Nebeneinander-Legen der Boote und munteres Hin- und Herreichen der Tonne.

Mücken

Ja, es gab Mücken und ja, sie haben uns malträtiert, trotz verschiedenster Insektensprays. Als recht praktisch erwies sich eine Kombination von Sonnencreme und Mückenspray von Anti-Brumm. Oder auch das recht frühe abendliche Entschwinden ins →Zelt, das, hatte man es erstmal von den Stechtieren gesäubert, dank Netzeinsätzen in den Türen gute Belüftung bei gleichzeitiger Mückenfreiheit gewährleistete.

Nacktschnecken

Eigentlich kein Problem und lediglich auf dem Campingplatz nahe Ventės ragas am Kurischen Haff in großer Zahl vorhanden. Ein Exemplar erwies sich im abendlichen Gegenlicht als äußerst fotogen.

Nida

Ort auf der →Kurischen Nehrung, nahe der russischen Grenze gelegen. Unter anderem befindet sich hier die nach zweithöchste Düne Europas, die „Hohe Düne“. 1929 erbaute Thomas Mann im Norden Nidas für sich und seine Familie ein Ferien- und Sommerhaus mit großartigen Blick über das Kurische Haff. Er verbrachte hier die Sommer-ferien von 1930 bis 1932. Das Haus dient heute als Mann-Museum.
Für uns markierte Nida das Ende unserer Paddeltour und die endgültige Rückkehr in die Zivilisation, samt der Möglichkeit zum Kauf von Postkarten und Souvenirs und dem Anblick großer Touristenscharen.

Ohrenkneifer, Ohrwürmer (Dermaptera)

Wie Wikipedia weiß, wurden diese Tiere „von der Antike bis in die frühe Neuzeit hinein pulverisiert als Medizin gegen Ohrkrankheiten und Taubheit verabreicht“. Aha. Uns begegneten sie auf nahezu allen Zeltplätzen. Einige Exemplare nahmen jedoch ein recht unschönes Ende. Sie hatten sich offenbar über Nacht in einer unserer Espressokannen häuslich eingerichtet und wurden am nächsten Morgen aufgekocht. Katrins durchdringendes „Iiih“ beim Anblick ihres →Kaffees und der anschließende Dialog („Ist die Milch sauer?“ „Nein, schlimmer – Tiere!“) lässt jedoch vermuten, dass sich diese Kombination aus Kaffee und Insekt nicht als neues Trendgetränk durchsetzen wird.

Pervalka

Fischerdorf und mit etwa 40 ständigen Einwohnern die kleinste Ortschaft auf der Kurischen Nehrung. Wir verbrachten dort unsere letzten beiden Übernachtungen in Litauen. Nach einer guten Woche im →Zelt bot da  Schlafen im Gästehaus ungewohnten Komfort und reichlich viele →Steckdosen, die wir begeistert zum Laden von Handys, Powerbänken und Kameraakkus nutzten.

Querung

Zwar hätte man auch mit den Kajaks das Kurische Haff hin zur →Kurischen Nehrung queren können. Wir nutzten dazu jedoch lieber →Bus und Fähre.

Rote-Bete-Suppe

Von →Simas zubereitete äußerst leckere litauische Spezialität, die großen Anklang fand.

Sabine

Kommunikatorin aus dem Ruhrgebiet und bereits als Autorin diverser A bis Zs von Kajaklreisen mit Club Aktiv bekannt.

Schwimmen

War grundsätzlich möglich, allerdings unter durch verschiedene Faktoren erschwerte Bedingungen. Während einen in der →Memel die Strömung darauf achten ließ, dass man sich nicht allzuweit vom Ufer entfernte, war das Wasser am Campingplatz bei Ventės ragas so niedrig, dass Schwimmen kaum möglich war. Sehr turbulent ging es hingegen in der Ostsee zu, in die sich auch nur Ilka hineintraute. Eine angenehme Schwimmstelle fanden wir jedoch an unserem Zeltplatz im →Memel-Delta, wo wir nach  →Kenterübung ausgiebig badeten.

Simas

Unser litauischer Guide, der geduldig alle Fragen beantwortete (und wir hatten viele...) und uns täglich bei der litauischen Grenzpolizei an- und abmeldete, solange wir entlang der russischen Grenze auf der →Memel paddelten. Er brachte uns die litauische Küche mit einer sehr leckeren selbstgemachten kalten →Rote-Bete-Suppe nahe und führte uns sicher zu allen Zeltplätzen. Und fragte man ihn, wie das Wetter am nächsten Tag wird, hatte er auch darauf eine Antwort und zwar immer die gleiche: „sehr schön“.

Sonnenaufgang/Sonnenuntergang

Beliebte Fotomotive, die auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber verloren, allerdings – im Falle des Sonnenaufgangs – recht frühes Aufstehen erforderten. Lieferten mit Möwen, Anglern und →Nacktschnecken schöne Motive.

Spaziergang

Simas brachte uns mit seiner →Rote-Bete-Suppe nicht nur die litauische Küche näher, sondern bot auch Spaziergänge in die Umgebung unserer Zeltplätze an. So besuchten wir unter anderem einen Aussichtsturm (wenn auch nahezu ohne Aussicht), einen Aussichtspunkt über der→ Memel, eine Storchenkolonie, schlenderten durch Smalininkai und wanderten durch das mückenreiche Memel-Delta, wo wir sogar einem Reh begegneten. Meist galt für die Spaziergänge die Faustformel „zwei Stunden, acht Kilometer“, so dass wir auch nach dem Paddeln in Bewegung blieben und unsere im Boot doch recht wenig beanspruchten Beine trainierten. Und im Gegensatz zu anderen Touren lernten wir unser Reiseziel nicht nur vom Wasser aus kennen, sondern entdeckten aus das Land drumherum. Danke,→ Simas, dass Du uns Deine Heimat in so vielen Facetten nahegebracht hast!

Steckdosen

Insbesondere während unserer Zeit abseits der Zivilisation ein rares Gut. Die Strom-Bedürftigkeit mitgeführter Accessoires (Handys, Kameras) setzte ungewohnte Prioritäten beim Erkunden neuer Orte („Guck mal, eine Steckdose!“). Auf einem Campingplatz führte sie gar dazu, dass wir zu viert an einem Hotel-Empfang herumlungerten und unsere Handys verstohlen in die dort vorhandenen Steckdosen einstöpselten. Mit der Rückkehr in die Zivilisation kam in →Pervalka schließlich für uns die Energiewende, was zu regelrechten Ladeexzessen führte.

Störche

Ob auf Strommasten, Hausdächern oder am Flussufer – Störche gehörten in →Litauen zu unseren ständigen Begleitern. Allerdings sahen wir nur Weißstörche, obwohl in Litauen auch die wesentlich selteneren und scheueren Schwarzstörche beheimatet sind. Einen besonderen Anblick gab es in Rusnė, einem Ort am Anfang des →Memel-Deltas: auf Strommasten saßen Braunstörche, eine bisher in der Ornithologie gänzlich unbekannte Art. Bei näherem Hinsehen entpuppten sie sich jedoch als Weißstörche, die sich offenbar irgendwo ziemlich schmutzig gemacht hatten.

Sven

Koch, Fahrer, Chefeinkäufer und in der Zeit dazwischen noch leidenschaftlicher Geocacher – Sven war tatsächlich unser Cheflogistiker, der uns sehr viele Sorgen abnahm, vor allem die um Kochen und Gepäck. Er war auch nach einer gewissen Zeit der einzige, der noch halbwegs wusste, wo im reichlich vollgepackten →Bus was zu finden war. Und der bei einem Gewitter dafür sorgte, dass wir gegenüber von Tilsit aus den Boten steigen und bei beginnendem Starkregen unter das am →Bus gespannte →Tarp flüchten konnten. Fast schon eine Art von „Glamping“...

Tarp

Plane, die je nach Bedarf als Sonnen- oder Regenschutz gespannt werden kann. Bot uns bei einem Unwetter gegenüber von →Tilsit Schutz vor Starkregen, mangels hinreichender Abspannmöglichkeiten dienten wir allerdings teils selbst als „Pfosten“. Zudem galt es, sich oben auf dem Tarp bildende Wasserblasen kontrolliert abzuleiten, was nicht immer gelang. Trotzdem überstanden wir das Gewitter nahezu trocken und dank einer Sonderration der →Motivation auch gutgelaunt.

Tilsit (russ.: Sowetsk)

Stadt auf der russischen Seite der →Memel, die zur Oblast Kaliningrad gehört. Aus ihr stammt ursprünglich der „Tilsiter Käser“, der dort jedoch heute nicht mehr fabriziert wird. Laut Wikipedia wird er seit 1893 u.a. in der Ostschweiz hergestellt, nachdem zwei örtliche Käsehersteller das Rezept 1890 von einer Ostpreußenreise mitgebracht hatten. Beim Vorüberpaddeln machte Tilsit keinen sehr einladenden Eindruck. Um dort anlanden zu können, hätten wir ein Visum gebraucht. Ein solches kann man seit dem 1. Juli 2019 kostenlos online beantragen, es ermöglicht Staatsangehörigen bestimmter Länder (u.a. der EU) für Kurzaufenthalte bis zu max. 8 Tagen einmalig in das Gebiet Kaliningrad einzureisen.
Vielleicht ja ein Vorschlag für künftige Touren, denn in Paddelklamotten mal kurz über die Brücke nach Russland zu spazieren – irgendwie eine spannende Vorstellung.

Unwetter

Im allgemeinen hatten wir während der Tour Glück mit dem Wetter. Nur nahe →Tilsit und auf dem Campingplatz nahe Ventės ragas erwischten uns Gewitter, die wir unter dem →Tarp bzw. im Zelt aber gut überstanden. Regenschauer während des Paddelns waren meist kurz und in Paddelklamotten gut zu parieren.

Vogelwarte

Kormorane, Störche, Reiher, Fischadler und Enten, an und auf dem Wasser sahen wir während unserer Tour viele verschiedene Vögel. Weiteren begegneten wir bei unserem Besuch der Vogelwarte am „Windenburger Eck“ (Ventės ragas) am →Memel-Delta – wenn auch recht leblos in ausgestopfter Form im dortigen Museum.
Die seit 1929 bestehende Vogelwarte ist heute die älteste ihrer Art in ganz Europa. Sie liegt an einer Stelle, an der viele Vögel auf Ihrem Zug eine Ruhepause einlegen. Um die Vögel für Beringung und Bestimmung einzufangen, stehen wenige Meter von der Uferlinie entfernt beeindruckend große Fangnetz bzw. speziell entwickelte Fangtrichter. Beeindruckend wirkten wir wohl auch, als wir mit den Booten am der Vogelwarte vorgelagerten Kormoran-Felsen vorbeipaddelten. Zumindest verließen Tausende Kormorane bei unserem Anblick fluchtartig ihren Felsen.

Vorräte

Dank →Sven brauchten wir uns um Nahrung und Transport keine Sorgen zu machen, es war stets genug von allem da. Da der →Bus noch die Vorratsreste vergangener Aland-Touren beherbergte, von manchem sogar deutlich mehr als genug.

Wachtürme

Zwar war die →Memel auf einem Großteil des von uns befahrenen Flußteils die Grenze zu russischen Oblast Kaliningrad. Grenzzäune, sonstige Befestigungen oder Patrouillenboote waren jedoch nicht zu sehen. Lediglich unbemannte Wachtürme mit schwenkenden Kameras erinnerten uns daran, dass wir auf einer EU-Außengrenze entlangpaddelten.

Wäscheleine

Wichtiges Utensil zum Trocknen der Paddel-, Bade- und sonstigen Bekleidung. Teils wurden in der Gruppe Exemplare von beeindruckender Länge mitgeführt, die an die Werbung für den „Weißen Riesen“ erinnerten, wenn auch mit deutlich unsortierterem Behang.

Wobbler

Laut Wikipedia ist ein Wobbler ein „künstlicher Köder, der für das Angeln von Raubfischen verwendet wird. Der Köder führt beim Einholen taumelnde Bewegungen aus und soll einen kranken, geschwächten Fisch imitieren.[...] Wobbler sind ein-, zwei-, oder dreigeteilt und mit mindestens einem, meist aber zwei Drillingshaken [...] versehen“. Ob die von Katrin und Sabine mittels Wobbler versuchten Imitationen eines kranken, geschwächten Fischs zu vital wirkten oder die litauischen Fische extrem clever sind – es fiel keiner auf die liebevoll ausgeführten Manöver hinein. Auch dann nicht, als versucht wurde, sich mittels Wobbler-Kauf in einem heimischen Supermarkt dem Geschmack der einheimischen Fische anzunähern.

W-Lan

Während der gesamten Tour nur sehr eingeschränkt vorhanden und während unserer Zeit „in freier Wildbahn“ gar nicht verfügbar. Dank EU-weitem Roaming war es jedoch trotzdem möglich, den Kontakt zur Außenwelt zu halten. Vorausgesetzt, man hatte genug Strom in Form einer Powerbank dabei, denn →Steckdosen waren fast ebenso rar wie W-Lan.

X-beliebig

Vieles könnte man noch erzählen – über die wunderschöne Natur rund um →Memel und Kurisches Haff, über Frösche, die galant von Seerosenblättern ins Wasser hechteten und den beeindruckenden Anblick riesiger Kormoranschwärme und das „Flappflappflapp“ startender Schwäne.
Kurz gesagt: wir kamen nach knapp zwei Wochen und 195 gepaddelten Kilometern wohlbehalten, bestens erholt und voll mit neuen Eindrücken nach Kiel zurück.

Yachten

Sahen wir während unserer Tour wenige und die meisten davon erst gegen Ende in den Häfen auf der →Kurischen Nehrung.

Zecken

Litauen ist FSME-Gebiet, eine FSME-Impfung wird entsprechend empfohlen. Wir sahen während unserer Tour allerdings glücklicherweise kein einziges dieser kleinen Krabbeltiere und konnten deshalb auch auf den Einsatz von Zeckenzange und –karte verzichten.

Zelt

„My tent is my castle“ – getreu diesem Motto waren die Zelte während unserer Paddeltour unser Zuhause. Glücklicherweise brauchten wir sie dank →Sven nicht täglich in Packsäcke zu quetschen, sondern konnten sie bequem im →Bus transportieren lassen. Darüber hinaus erwiesen sie sich als erfreulich mückensicher und wasserfest.






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